Gut Boltenhof

von Liebling Brandenburg , 22. September 2016 , Ruppiner Seenland

Boltenhof gehört zu den wenigen historischen Gutsanlagen in Brandenburg, die noch in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts reicht seine wechselhafte Geschichte zurück. Das ehemalige Rittergut inmitten der Ruppiner Seenlandschaft ist heute eine Ferienanlage, wie geschaffen um die Seele baumeln zu lassen. Mitte der 1990er Jahre hat Familie Riest den 3,5 Hektar großen Hof übernommen und nach und nach wiederbelebt. Auf den Grundrissen der ehemaligen Arbeiterwohnungen sind zehn individuelle Ferienwohnungen für vier bis acht Personen entstanden, mit natürlichen Materialien und warme Farben eingerichtet. Sechs weitere Doppelzimmer befinden sich im Landhotel des alten Gutshauses. In dem denkmalgeschützten Herrenhaus sind auch das Café & Bistro GUTESS und der Hofladen unterbracht, in dem Selbstgemachtes aus biologischem Anbau und ausgewählte Produkte aus der Region erworben werden können. Gespeist wird in den stuckverzierten Räumen des Cafés, im Wintergarten oder auf der Terrasse mit Springbrunnen und Blick in den Park und auf die verträumte Lindenallee. Besonders für Familien ist der idyllische Boltenhof ein kleines Paradies. Frische Landluft, jede Menge Platz und ein Tiergarten mit Schafen, Ponies, Ziegen, Esel und freilaufenden Hühnern, Gänsen und Enten. Willige Helfer dürfen Bauer Uwe beim Heueinholen, Füttern oder Kühe eintreiben assistieren – Landwirtschaft hautnah. Nicht nur der Gutshof, auch die Umgebung bietet zahlreiche Möglichkeiten. Gut Boltenhof liegt umgeben von sanften Hügeln, Feldern und Wiesen inmitten der Fürstenberger Seenlandschaft, nahe dem oberen Havellauf. Besonders Naturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Wer möchte kann im nahegelegenen Haussee in Barsdorf schwimmen, mit Leihrädern, auf den zahlreichen Wasserwegen oder auf der neuen Skater-Piste nach Qualzow die Gegend erkunden oder die Ziegenkäserei Capriolenhof besuchen.

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Herr Riest, wie kam es dazu, dass Ihre Eltern vor knapp 20 Jahren den Boltenhof übernommen haben?

Mein Vater hatte in der FAZ eine Anzeige der Treuhand-Nachfolgegesellschaft, der BVVG, gesehen, in der Gut Boltenhof zum Verkauf angeboten wurde und Interessenten aufgefordert wurden, sich mit einem Konzept für den Kauf zu bewerben. Als promovierter Landwirt, der bislang nur im Büro gearbeitet hatte, sah er für sich und seine Frau die Möglichkeit, hier mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, noch einmal neu zu beginnen und vor allem einmal selbst den Acker pflügen und die eigene Ernte einfahren zu können. Mit ihrem einerseits landwirtschaftlich ausgerichteten Konzept, gestützt von der Idee, Gutshaus und Gesindehäuser in Form von Ferienwohnungen wieder bewohnbar zu machen, haben sie damals den Zuschlag bekommen.

Seit zwei Jahren leiten Sie den Hof nun gemeinsam mit Ihrer Frau. Was hat sich mit dem Generationenwechsel geändert?

Wir haben versucht, all das Gute, das meine Eltern bereits geschaffen hatten, zu erhalten und es mit unseren Ideen zu verbinden, so dass neue Dinge entstehen konnten. Ganz konkret haben wir z.B. angefangen, die Hotelzimmer und Ferienwohnungen zu renovieren und unser Angebot zu erweitern. Dadurch kommen z.B. auch immer mehr Firmen zu uns, die bei uns arbeiten oder feiern möchte. Wir hatten auch schon mehrere Co-Working-Retreats und im November werden bei uns erstmals Yogasessions stattfinden. Sehr beliebt ist Gut Boltenhof mittlerweile auch bei Brautpaaren, die für ihre Hochzeit einen besonderen Ort suchen. Viele weitere Projekte, die wir begonnen oder sogar schon fertigstellen konnten, sind u.a. die Restaurierung des Gartensaals nach historischem Vorbild, die Wiederherrichtung des unter Naturdenkmalschutz stehenden Parks oder der Aufbau eines Hofladens. Besonders beliebt bei Groß und Klein ist aber auch unser neu angelegter Tiergarten mit unseren Eseln, Ponys, Gänsen, Ziegen, Hühnern, Enten und unseren zwei Hängebauchschweinen.

Da ist ja einiges passiert. Was war Ihnen bei der Umgestaltung des Hofes wichtig?

Bevor wir angefangen haben, Veränderungen auf dem Hof vorzunehmen, war es uns wichtig, den Hof mit seiner Geschichte zu verstehen, denn der Hof hat uns ca. 150 Jahre voraus. Diese Jahre haben ihn geprägt, mehrfach verändert, er ist gewachsen und verfallen, hat Brandstiftungen überlebt und insgesamt wechselvolle Zeiten durch viele unterschiedliche Eigentümer erlebt. Diese Geschichte wollten wir erhalten und den Hof nicht zu etwas gänzlich anderem machen. Er soll authentisch bleiben und die Dinge, die ihn bislang ausgemacht haben behalten dürfen bzw. zurückbekommen. Als früheres Rittergut war Gut Boltenhof ein wichtiger Bestandteil der lokalen Landwirtschaft. Wichtigster Grundsatz war die Selbstversorgung, also der Aufbau und die Unterhaltung des Guts aus den eigenen Erträgen ohne Überschreitung der individuellen Ertragsgrenze. Diesen Gedanken, der heute durch Begriffe wie Nachhaltigkeit, Achtsamkeit und Ressourcen schonendes Arbeiten und Wirtschaften eine moderne Renaissance erlebt, wollten wir aufgreifen. Wir möchten erreichen, dass der Hof unsere Mitarbeiter und uns versorgen kann und unsere Gäste begeistern kann, ohne dabei seine Seele zu verlieren.

Wie macht sich das Thema Nachhaltigkeit denn für Urlauber bei Ihnen bemerkbar?

An vielen kleinen Dingen. Wir versuchen z.B. bei der Renovierung der Hotelzimmer und Ferienwohnungen nicht alles neu zu kaufen. Jedes Teil auf dem Hof hat seine Geschichte und wir finden immer wieder schöne, alte Dinge, denen wir dann neue Funktionen geben. Z.B. können alte Möbelstücke durch einen farbigen Anstrich ein neues Gesicht bekommen, aus alten Rohrleitungen basteln wir Lampengestelle, aus alten Emailleschalen oder Körben werden Lampenschirme. Auch das Angebot in unserem Hofladen wird mehr und mehr durch eigene Produkte erweitert. Wir bieten z.B. eigene Marmeladensorten, Gemüse-Relishs und Eier an, im Sommer kommen Gurken, Tomaten, Äpfel und Pflaumen hinzu und in der Vorweihnachtszeit schlachten wir unsere Gänse selbst auf dem Hof und verkaufen sie im Hofladen und durch einen Kooperationspartner in Berlin. Darüber hinaus bemühen wir uns, unsere Produkte überwiegend aus der Nachbarschaft bzw. aus der Region zu beziehen, um die Transportwege kurz und die Lebensmittel frisch zu halten.

Gut Boltenhof hat besonders für Kinder viel zu bieten. Der Hof ist bei Familien sicher sehr beliebt?

Sehr, Kinder sind unsere Lieblingsgäste! Viele unserer kleinen Plätze werden aber auch von unseren erwachsenen Gästen gerne genutzt, wie z.B. der Sandkasten in Verbindung mit der Handpumpe im Sonnenhof. Dort bauen dann auch die Väter sehr gern mit dem Sand außerhalb des Sandkastens Staudämme vor der Handpumpe. Besonderes Highlight bei unseren Kindergästen sind jedoch unsere Tiere. Jedes Kind darf bei den Fütterungen mithelfen, die Gänse mit von der Weide treiben und bei der Suche der Hühnereier mithelfen. Unser kleiner Spielplatz mit der Karussell-Schaukel ist ein weiterer Anziehungspunkt, genauso wie die Himmelsschaukel am Rande des Parks. Unübertroffen sind aber die Treckerfahrten mit Bauer Uwe. In den Sommerferien organisieren wir ein Mal in der Woche ein Kinderbasteln mit einer Pädagogin und wenn der ortsansässige Imker vorbei kommt, um die Bienenwaben zu schleudern, dürfen die Kinder auch hier helfen und lernen gleichzeitig etwas über diese unglaublich nützlichen Tiere.

Welche weiteren Pläne gibt es für die Zukunft?

Wir möchten unseren alten Rinderstall zu einer Multifunktionshalle umbauen, um unseren Gästen auch dort einen vielfältig nutzbaren Ort zu bieten – für Hochzeiten, Workshops, kleine Kulturveranstaltungen oder Yoga-Gruppen. Es wird eine große Herausforderung werden, all diesen unterschiedlichen Interessen Rechnung zu tragen und gleichzeitig historisches Bauwerk und moderne Nutzung in Einklang zu bringen. Auch möchten wir eine große Kuhle in unserem Park in ein kleines Amphitheater umzufunktionieren, um dort einen einzigartigen Ort für Lesungen, kleine Konzerte oder auch Trauungen zu schaffen.

Ihr Tipp für den Brandenburg-Urlaub?

Wir können jedem nur empfehlen, einmal mit dem Rad den Berlin-Kopenhagen-Radweg entlang der Havel, durch blühende Wiesen und grüne Felder, entlang der wunderschönen Alleen zu fahren und die Brandenburger Landschaft ganz bewusst zu erleben. Vielleicht möchte der eine oder andere diese schöne Tour mit einem kleinen Abstecher nach Gut Boltenhof verbinden und für die Nacht bei uns einkehren. Nach einem kleinen Spaziergang durch den Park oder einer Abkühlung in dem nahe gelegenen Haussee kann man bei uns mit einem guten Glas Biowein auf der Gutshaustreppe sitzend den Sonnenuntergang genießen und den Tag ausklingen lassen, bevor es am nächsten Morgen weitergeht.

Fotos: Nina Grützmacher
Interview: Katrin Gewecke

Kontakt:
Gut Boltenhof
Andrea und Jan-Uwe Riest
Lindenallee 14
16798 Boltenhof

Mehr Informationen unter: www.gutboltenhof.de

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