Das blaue Pferd

von Liebling Brandenburg , 4. März 2017 , Ruppiner Seenland

Ein alter Vierseithof mitten in der Natur, umgeben von Obstbäumen, bunten Blumen und weiter Landschaft, behutsam und mit reichlich kreativem Geschick saniert – das ist das blaue Pferd, das Projekt der Berliner Künstlerin Elisophie Eulenburg. Vor 1,5 Jahren hat sie mit der denkmalgerechten Sanierung des Hofensembles am Rande der Biosphärenreservats Schorfheide begonnen. Wer das Haus oder einzelne Ferienzimmer mieten möchte, der findet hinter den historischen Mauern des traditionellen Ziegelbaus ein ebenso individuelles wie geschmacksvolles Urlaubsdomizil. Alte Dielenböden, historische Kachelöfen, Fachwerk und Lehmwände, dazu liebevoll ausgewähltes Mobiliar – ein Großteil davon upgecycelt, recycelt oder selbst gebaut. Nachhaltigkeit ist der Gastgeberin wichtig. Das zeigt sich nicht nur in den verwendeten Materialien sondern auch bei der Energieversorgung des Hauses. Durch die Einfassung der vier Gebäude bietet der Hof eine ganz eigene, geschützte Welt, die sich für kleine Alltagsfluchten ebenso eignet wie für Arbeitsaufenthalte oder kreative Auszeiten. Das blaue Pferd liegt in einem kleinen ruhigen Dorf in der bewaldeten Landschaft Nord-Brandenburgs, ca. 60km vor den Toren Berlins. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich die Tonstichlandschaft von Zehdenick mit ihren klaren Seen und dem bekannten Ziegeleipark-Museum. Der Hof ist nicht nur ein verlockender Ort zur Erholung, sondern soll mit Ausstellungen und anderen Veranstaltungen auch das kulturelle Leben in der Region bereichern. Dafür steht unter anderem die 200m² große Scheune zur Verfügung, die in den warmen Monaten auch angemietet werden kann.

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Frau Eulenburg, seit wann gibt es das blaue Pferd” und wie haben Sie und der Hof zueinander gefunden”?

Wir haben den Hof seit 1,5 Jahren. Ich habe eine Anzeige im Internet gesehen und gleich alle angerufen. Ich war so begeistert und dann doch ziemlich nervös, ob ich einen Besichtigungstermin bekommen würde, denn ich dachte mir, der Andrang wird sicher hoch sein. Zum Glück hat das geklappt. Wir haben uns auf Anhieb gut mit Alexander, dem Vorbesitzer, verstanden. Ihm war wichtig, dass all die Arbeit, die er in den Hof gesteckt hatte, wertgeschätzt wird und der Hof mit ähnlichen Ideen weitergeführt wird. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er uns die Chance für dieses Hofabenteuer gegeben hat.

„Das blaue Pferd” ist ein eher ungewöhnlicher Name – wie kamen Sie darauf?

Beim Umgraben im Garten haben wir ein blaues Spielzeugpferd gefunden. Die kleine Tonfigur hat sofort unser Interesse geweckt. Wir wissen nicht genau woher sie kommt und wie alt sie ist, aber sie zeigt, dass hier gespielt wurde und wenn man die Figur anschaut, kommt einem der Gedanke, dass es ein altes Stück sein könnte. Auf der Suche nach einem Namen, der sowohl eine Kulturstätte als auch einen Urlaubsort auf dem Land bezeichnet, kam uns die Idee, den Hof nach unserem Fund zu benennen. Das blaue Pferd ist natürlich auch eine Anlehnung an den Namen des Künstlernetzwerks „der blaue Reiter“.

Wie viel gab es denn für Sie noch zu tun, um den Hof in seine heutige Form zu bringen?

Alexander, der vor uns auf dem Hof gewohnt hat, ist ebenfalls Künstler und hat viel am Haus gemacht und sehr zum Charme des Hofensembles beigetragen. Obwohl noch sehr viel zu tun war und zu tun ist, war das schon Getane eine wichtige Grundlage für unseren Start. Ich habe alles was ich konnte, selbst gemacht, auch mit der Unterstützung von Freunden und Familie. Das war vor allem im ersten Winter bei -12 Grad zwischen Farbeimern und Staub nicht immer einfach. Es ging viel langsamer voran, als ich erwartet hatte, und ich hatte endlose „to do (or not to do)“ Listen. Der ganze Hof war noch voller Dinge von allerlei Vorbesitzern, allein das Aufräumen hat mich fünf Wochen gekostet. Heute sehe ich  aber in jeder Ecke des Hauses das Geschaffte, was mich immer wieder freut.

Welche Ideen haben Sie bei der Einrichtung des Hauses verfolgt? Spiegelt sich darin auch ein Stück Ihrer künstlerischen Arbeit wider?

Die Idee bei der Einrichtung war es, so wenig wie möglich neu zu kaufen, und mit dem Vorhandenen ansprechende Räume zu gestalten. Das meiste haben wir aus alten Beständen der Familie ausgesucht, repariert, upgecycelt oder in der Hofwerkstatt selbst gebaut. Geholfen hat auch eine große Sammlung, die ich als Teenager auf dem Sperrmüll zusammengesucht habe. In der Sammlung gibt es neben eher abstrusen Dingen, wie mehreren kaputten Staubsaugern oder einer Vielzahl von bunten Küchentöpfen auch Brauchbares wie Stühle und Sessel. Meine künstlerische Laufbahn begann mit Sperrmüllgängen und den Skulpturen und Installationen, die ich aus dem gesammelten Material gebaut habe. Ich nannte die Skulpturen Möbel, wobei sie zum Teil höchst unfunktional waren, wie z.B. ein Regal aus einer Gießkanne oder ein Stuhl aus einer Leiter, der nicht besonders bequem war. Das Möbelbauen ist aber, wie man sieht, eine alte Leidenschaft von mir.

Was ist das Besondere an diesem Ort?

Das besondere ist der viele Platz, der einem hier zur Verfügung steht. Man kann hier herrlich zusammen und gleichzeitig jeder für sich sein. Der Hof war in der Vergangenheit immer wieder ein belebter Ort. Die Nachbarn schwärmen noch heute von den lustigen Hoffesten, die früher hier stattfanden, als noch Pferde in den Ställen standen. Wir möchten gerne an diese Tradition anschließen. Deswegen heißen wir sowohl Feriengäste als auch Künstler und Kulturschaffende willkommen. Durch die Einkünfte mit der Ferienvermietung möchten wir Kulturveranstaltungen und Kulturresidenzen auf dem Hof fördern.

Welchen Bezug haben Sie zur Region und was lieben Sie besonders?

Ich bin vor zehn Jahren zum Studium nach Berlin gezogen. Zu Schulzeiten hatte ich immer die Idee, eine Reise durch Ostdeutschland zu machen. Ich dachte, hier gibt es viel zu entdecken, was in der Form unter Umständen bald verschwinden würde. Leider habe ich die Reise nie gemacht, stattdessen aber von Berlin aus viele Ausflüge mit meiner Schwester nach Brandenburg. Es hatte für mich immer etwas Anziehendes und Aufregendes, auf dem Weg zu Seen, Schiffshebewerken oder Birnbäumen durch die mir fremden Dörfer zu fahren. So entstand meine Beziehung zum Umland von Berlin. Den Wunsch nach einem Haus auf dem Land, einem Garten und Platz zum Arbeiten hatte ich glaube ich schon immer. Das Tolle ist, dass der Hof so gut angebunden ist an Berlin. Der Wechsel zwischen Stadt und Land hat mich beides noch mehr schätzen gelehrt. Ich liebe an der Gegend vor allem das Wasser, die vielseitige Geschichte, die Dorffeste und die Menschen hier.

Ihr Tipp für den Brandenburg-Urlaub?

Ein Fahrrad mitbringen und auf den Radwegen und kleinen Straßen die Landschaft, die Dörfer und die Seen erkunden.

Fotos: Elisophie Eulenburg
Interview: Katrin Gewecke

 

Weitere Informationen unter: www.das-blaue-pferd.de

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