Wasserturm

von Liebling Brandenburg , 4. April 2018 , Potsdam & Umgebung

Über sechs Ebenen und eine Dachterrasse erstreckt sich die Ferienwohnung im 22 Meter hohen Wasserturm am Park Sanssouci. 2014 kauften Katrin Wirth und ihr Mann Daniel Alonso González den verfallenden Turm und renovierten das alte Bauwerk behutsam. Viele historische Details sind dabei erhalten worden – die gemauerte Kuppeldecke im Erdgeschoss, die rohen Backsteinwände, die alte eiserne Treppe oder der ehemalige Wassertank im 5. Obergeschoss, in dem sich heute das Wohnzimmer mit Panoramablick über die Wälder befindet. Das Interior hat das deutsch-spanische Ehepaar der besonderen Raumsituation angepasst und bei der Einrichtung mit modernem, schlichten Mobiliar einen bewussten Gegensatz zur Industriearchitektur des Turmes gesetzt. Zwischen der Küche im unteren Geschoss und dem Wohnzimmer befinden sich drei Schlafebenen mit Bädern und ein Raum der Turmgeschichte, in dem Bilder des Zustandes vor der Sanierung, Fotos von der Baustelle, Pläne und verschiedene Fundstücke ausgestellt sind. Insgesamt gibt es auf den 130 Platz für bis zu acht Personen. Vor allem für Paare, Freunde und Familien mit Kindern ab sechs Jahen ist die offene Wohnlandschaft im Wasserturm das passende Urlaubsdomizil. Für jüngere Gäste ist ein Aufenthalt wegen der steilen Treppen nicht geeignet. Der Wasserturm liegt mitten im Grünen, angrenzend an den Wildpark und ist nur wenige Gehminuten vom Park Sanssouci und wenig weiter von den vielen Sehenswürdigkeiten Potsdams entfernt. In 30 Minuten erreicht man vom nahen Bahnhof Park Sanssouci auch das Zentrum von Berlin.

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Frau Wirth, wie haben Sie und der Wasserturm zusammengefunden?

Mein Mann und ich, beide Architekten, haben in Berlin und Umgebung nach interessanten Objekten Ausschau gehalten – Dachstühle zum Ausbauen, alte Scheunen, etc. Dann ist uns plötzlich die Anzeige für den Verkauf des Wasserturms aufgefallen. Der Turm war ziemlich verfallen, hat uns aber sofort begeistert. Natürlich waren wir nicht die einzigen Interessenten, aber mit etwas Glück und schneller Entscheidung für den Kauf konnten wir schließlich den Vertrag unterzeichnen. Es gab keine Zeit mit dem Bauamt vorab abzuklären, was machbar ist, aber dieses Risiko war es uns wert.

Was wissen Sie über die Geschichte des Turmes?

Leider ziemlich wenig. Es gibt keinerlei alte Pläne vom Bau der Wasserturms. Es ist aber recht sicher, dass er um 1910 zeitgleich mit dem alten Kaiserbahnhof Wildpark erbaut wurde. Er gehörte der Deutschen Reichsbahn und versorgte die Dampfloks mit Wasser. Mit der Umstellung auf Lokomotiven mit Diesel- oder Elektromotoren wurde der Wasserturm nicht mehr gebraucht. Seit Anfang der 1980er Jahre stand er nun leer und verfiel immer mehr.

Wie gestalteten sich die Sanierungsarbeiten am Turm?

Die größte Herausforderung war die Form des Bauwerks. Alle Wände sind rund und zugleich schräg. Schon beim Entwurf musste daher alles in drei Dimensionen gedacht und geplant werden. Es war oft nötig, Entscheidungen direkt vor Ort zu treffen. Deswegen waren wir während der Bauphase täglich auf der Baustelle und konnten so bei Fragen den Firmen direkt zur Seite stehen. 
Schwerpunkt des Entwurfs war es, den Aufstieg zu einem räumlichen Erlebnis zu machen. Jede Ebene hat nur eine Nutzung und unterscheidet sich von der vorherigen in Höhe, Aufteilung, Beleuchtung und Möblierung. Jedes Stockwerk ist ein eigenes Projekt. Besonders wichtig war uns, so viel wie möglich zu erhalten und die natürlichen Materialien sichtbar zu machen. Wir haben am Anfang das Mauerwerk im Innenraum sowie alle Stahlbauteile sandgestrahlt, sodass ein schönes Zusammenspiel aus rotem Backstein und der anthrazitfarbenen Eisentreppe entstand. Alle Räume sind offen gestaltet und machen somit die vertikalen Blickbeziehungen möglich. Besonders spannend waren die Arbeiten am Wasserbehälter, da hier die Veränderung am größten war. Der Behälter war komplett rot verrostet und das alte Ziegeldach lag herunter gebrochen darin. In die Wand wurde ein großes Panoramafenster geschnitten und ein neues Flachdach eingebaut. Jetzt ist es ein weißer Raum mit genieteten Stahlwänden und einem wunderbarem Ausblick! Ganz oben befindet sich nun eine Dachterrasse, die vom Stahlskelett des ehemaligen Daches überspannt wird.

Welche Ideen haben Sie bei der Einrichtung des Turms verfolgt?

Die vorhandenen Materialien roter Backstein und anthrazitfarbene Stahlelemente sind kräftige Farben. Die neuen Einbauten sind hingegen in weiß gehalten. Die Einrichtung ist zurückhaltend und unterstreicht die Form des Turms. In der Küche im Erdgeschoss zum Beispiel beleuchtet eine große ringförmige Pendelleuchte den runden Esstisch und das gemauerte Gewölbe darüber. Verschiedene Elemente, wie die Kopfteile der Betten oder die Waschtische, wurden extra angefertigt, um sich der runden Form anzupassen. Lichtschalter und Kabel wurden in Kupferrohren auf den Wänden verlegt.

Ihr Tipp für den Brandenburg-Urlaub?

Besonders gut gefällt uns die nahe gelegene Stadt Werder. Der Altstadtkern liegt auf einer Insel, man kann dort köstlichen Fisch essen und sich so richtig wie im Urlaub fühlen. Im Sommer ist der Badesee in Caputh ein schönes Ausflugsziel. Dort gibt es einen tollen Sandstrand und ein Café auf einem Steg im See.

Interview: Katrin Gewecke
Fotos: Luca Girardini und Wirth Alonso Architekten

Kontakt:
Wasserturm am Park Sanssouci
Katrin Wirth und  Daniel Alonso González
Werderscher Damm 5
14471 Potsdam

Weitere Informationen unter: http://www.wasserturm.holiday/index.php

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