Thomashof Klein Mutz

von Liebling Brandenburg , 20. März 2016 , Ruppiner Seenland

Auf dem Land leben, das wollte Heike Thomas schon immer. In Klein Mutz im Ruppiner Seenland hat die Berlinerin diesen Traum gemeinsam mit ihrem Mann Jörg verwirklicht. Vor acht Jahren haben die Beiden hier einen vollständig erhaltenen, regionaltypischen Vierseithof erworben und ein Nutzungskonzept entwickelt, um dem Hof zu neuem Glanz zu verhelfen. Aus dem 1890 erbauten Anwesen mit Wohnhaus, Scheune und Stallgebäuden, der früher als Kaltblut-Landwirtschaft diente, ist nicht nur ihr neues Zuhause geworden, sondern auch ein beschaulicher Urlaubsort für Naturliebhaber – der Thomashof. Bei der umfangreichen Sanierung hat das Ehepaar Thomas soweit wie möglich selbst Hand angelegt und Handwerker aus der Region einbezogen, um das Ursprüngliche des historischen Ensembles im Dorfkern von Klein Mutz wieder herauszuarbeiten. Ein ambitioniertes Projekt, das die 49-jährige und ihr Mann auch Dank der Genehmigung von Fördermitteln Schritt für Schritt vorantreiben konnten. Vier Ferienwohnungen für je zwei bis vier Personen, komfortabel ausgestattet und mit liebevoll ausgewähltem Mobiliar eingerichtet, haben die Designerin und der Maschinenbauingenieur bereits ausgebaut, untergebracht im ehemaligen Stallgebäude des Hofes. Ein Sommercafé, eine Bühne und ein Atelier für Siebdruck, Keramik und Zeichenkurse als saisonverlängernde Angebote sind auf dem knapp 5000 m² großen Grundstück noch in Planung. Wer für seinen Landurlaub ein hochwertiges und individuelles Feriendomizil sucht, das Tradition und Moderne verbindet, der ist auf dem 120 Jahre alten Thomashof nahe Zehdenick gut aufgehoben. In unmittelbarer Umgebung des Hofes befindet sich der Mutzer Stich und drum herum zahlreiche weitere Gewässer, die zum Baden, Paddeln und Angeln einladen und mit dem Fahrrad von Klein Mutz aus schnell erreichbar sind.

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Frau Thomas, was hat Sie nach Klein Mutz gezogen, und wie haben Sie den Hof entdeckt?

Das hat sich ganz langsam entwickelt. Mein Mann und ich sind vor Jahren an den Wochenenden gern über Land gefahren und haben uns treiben lassen. Dabei zog es uns immer mehr in den Norden – ins Ruppiner Seenland, die Uckermark, die Prignitz. Uns hat die Weite und die abwechslungsreiche Landschaft angezogen, mit ihren Seen und Wäldern. Immer wieder kamen wir an baufälligen Herrenhäusern oder Bauernhöfen vorbei und stellten uns vor, wie es wäre, wenn wir uns solch eines Objektes annehmen würden. Wir fingen dann an, zum Verkauf stehende Höfe zu besichtigen. Irgendwann haben wir uns auch einen Bauernhof in Klein Mutz angesehen, von dem wir aber schweren Herzens wegen Baufälligkeit wieder Abstand nehmen mussten. Das Dorf hat uns gefallen und die Nähe zu Berlin war ein Vorteil, denn wir dachten zunächst nur an ein Wochenenddomizil. Monate später stand unser jetziger Hof im Internet zum Verkauf, da waren wir gleich elektrisiert. Wir haben ihn mitten im Winter besichtigt und waren begeistert. Wir dachten, dann kann es ja im Sommer nur noch schöner werden. Familie und Freunde fragten uns zwar zurecht, ob es nicht ein bisschen zu groß wäre für ein Wochenendomizil, aber es musste sein – wir hatten uns verliebt.

In welchem Zustand haben Sie den Hof vorgefunden?

Der Hof war insgesamt in einem erfreulich unverbauten Zustand, ein bisschen wie aus der Zeit gefallen stand er da. Das Wohnhaus war zwar in den 1970er Jahren von außen modernisiert worden und sah nicht sehr ansprechend aus. Aber innen war noch alles erhalten – der Dielenboden, die alten Türen, der Terrazzoboden im Flur. Die beiden Stallgebäude waren durch die LPG-Nutzung zu DDR-Zeiten vernachlässigt und in Mitleidenschaft gezogen, aber die Scheune war in einem guten, originalen Zustand. Überall standen noch alte landwirtschaftliche Gerätschaften. Im kleinen Stallgebäude fand sich sogar eine komplett eingerichtete, vergessene Knechtkammer und auf dem Dachboden des Hauses fanden wir eine Truhe mit einer Aussteuer, alles bestickt und handgewebt. Wir fühlten uns über Jahre wie Entdecker, immer kam etwas Neues zutage.

Wie waren denn die ersten Jahre in Klein Mutz?

Es gab immer jede Menge Arbeit und viel zu feiern. Ohne die umfangreiche Hilfe von Familie und Freunden hätten wir es nie geschafft. Es kamen viele Leute, denn gerade im Sommer ist das Landleben für Städter ja von großer Anziehungskraft. Zuerst haben wir ab 2008 das Haus zum Wohnen hergerichtet, alles in Wochenendarbeit. Die ersten Jahre hatten wir einen Mieter in der einen Hausseite. Auf der anderen Seite bauten wir uns Küche und Bad neu ein und wohnten die erste Zeit im Wohnwagen. Als Nächstes bauten wir die Scheune zum Feiern aus, mit Bühne, Bar, Tanzboden und zweiter Etage. 2011 feierten wir dort mit 100 Gästen unsere für alle unvergesslich großartige Hochzeit. Einige Zeit später stellten wir einen Bauantrag und beantragten ILE/LEADER Förderung für die Sanierung und Umnutzung des großen Stallgebäudes. Mit der Zusage der Förderung 2013 und dem Beginn der Bauarbeiten war dann auch der Schritt verbunden, unseren Lebensmittelpunkt ganz nach Klein Mutz zu verlegen.

Ihr Ziel bei der Umgestaltung des Hofes ist es, ihn seinem Ursprungszustand wieder möglichst nah zu bringen…

Wir haben sehr viel Wertschätzung und Interesse für die handwerkliche Leistung vergangener Generationen. Die regionaltypischen Vierseithöfe in der traditionellen Backsteinbauweise geben der Region ihr spezielles, unverwechselbares Gesicht. So einen schönen Hof gut zu erhalten, ist uns ein Bedürfnis und eine Verantwortung. Dazu muss er bewirtschaftet werden. Wir haben uns deshalb entschieden, die landwirtschaftlichen Gebäude für Wohnzwecke nutzbar zu machen und sind dabei so behutsam wie nur möglich vorgegangen. Alles was irgendwie erhalten werden kann, bleibt. Die alten Schieferplatten wurden in Eigenleistung abgedeckt und nach Sanierung des Dachstuhls von einer Fachfirma wieder aufgedeckt. Die Lüftungsöffnungen und die alten Stallfenster durften bleiben und wurden von innen mit Fenstern versehen. Beim Mauerwerk wurden mehr als 3000 Steine ausgetauscht. Beim Dachstuhl mussten alle Sparren ausgetauscht werden und viele Dachbalken. Die Holztüren, -fenster, -treppen sind alle maßgearbeitet. Wir haben nur mit Handwerkern aus der Region zusammengearbeitet und beste Leistungen erhalten. Viele Gedanken haben wir uns auch über das richtige Zusammenspiel der Materialien gemacht und uns letztlich für eine biologische Holzfaserdämmung und Lehmputz entschieden. Das war alles sehr aufwendig, mit dem Resultat wir sind aber sehr glücklich.

Als Designerin haben Sie sicher klare Vorstellungen, wie ein schöner Urlaubsort aussehen sollte?

Ja natürlich, ich habe hohe Ansprüche an einen schönen Urlaubsort. Wenn ich mich an einem Ort aufhalte, wo ich wirklich eintauchen und mich wohlfühlen kann, dann ist das für mich wie eine zusätzliche Komponente der Erholung. Die Ferienwohnungen sind deshalb ganz individuell und liebevoll mit einer Mischung aus alten und neuen Möbeln gestaltet. Der Lehmputz und die offenen Holzbalken machen ein sehr schönes Wohnklima -  das wird von den Gästen auch immer wieder angemerkt. Die Bäder sind mit selbst hergestellten Fliesen veredelt, von der Türklinke bis zum Lichtschalter ist alles aufeinander abgestimmt. Ich habe so wenig Kompromisse wie möglich machen wollen – nicht immer zur Freude meiner Mitstreiter. Auch die Handwerker mussten viel Geduld aufbringen. Aber am Ende hat es sich wirklich gelohnt, denn als Ergebnis haben wir durchweg begeisterte, beglückte Gäste, und das gibt uns immer wieder aufs Neue viel Motivation.

Wie geht es aktuell weiter?

Wir sind derzeit dabei, die vierte Ferienwohnung und das Atelier fertigzustellen, so dass wir in der Saison 2016 erstmalig alle vier Ferienwohnungen vermieten. Wir sind in diesem Jahr schon für mehrere Feiern und eine große Hochzeit in der Scheune gebucht. Die Ferienwohnungen werden sehr gut angenommen, weil sie so besonders sind. Ganz wichtig ist uns als Nächstes, unser Wohnhaus zu sanieren. Wir wollen es optisch wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen. Im nächsten Jahr wird dann das kleine Stallgebäude instand gesetzt und für Wohnzwecke nutzbar gemacht. Eine Sauna soll das winterliche Angebot verbessern, und wenn wir mit all dem fertig sind, dann fällt uns bestimmt gleich etwas Neues ein.

Ihr Tipp für den Brandenburg-Urlaub?

Das Gute liegt so nah! Wir lieben unseren kleinen See im Dorf, den Mutzer Stich. Er lädt im Sommer zu jeder Tageszeit zum Baden ein. Wir lieben auch das Wasserwandern auf der Havel, den angrenzenden Tonstichen, dem Wentowsee und machen mit dem Boot gern Halt am „Alten Hafen“. Das Gasthaus bietet gutes Essen und liegt genau an der Havel am Ziegeleipark. Hier kann man herrlich die Seele baumeln lassen. Die Gegend eignet sich auch ganz hervorragend zum Radfahren. Von Klein Mutz aus führt der Weg drei Kilometer über einen gut ausgebauten Fahrradweg nach Zehdenick. Von dort kann man dem Radweg Berlin-Kopenhagen einige Kilometer folgen und kommt zum Ziegeleipark nach Mildenberg. Hier gibt es interessante Einblicke in die Industriegeschichte und einen tollen Kinderspielplatz. Vom Frühjahr bis zum Herbst finden hier viele Veranstaltungen statt.

Fotos: Philine Bach
Interview: Katrin Gewecke

Kontakt:
Thomashof Klein-Mutz
Heike und  Jörg Thomas
Alter Anger 8
16792 Zehdenick

Mehr Informationen unter: www.thomashof-kleinmutz.de

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