Kyritzer Kleinsthäuser

von Liebling Brandenburg , 9. Juni 2017 , Prignitz

Die Idee der sogenannten “Tiny houses” findet immer mehr Anhänger: Winzige Häuser, die auf kleinster Fläche alles Notwendige vereinen. In Kyritz hat man sich diese Idee für die touristische Umnutzung der historischen Budenhäuser im Klosterviertel der Stadt zu Nutze gemacht. Durch jahrelangen Leerstand nach 1990 waren die Gebäude in der Weberstraße in einem maroden Zustand und mussten zunächst notgesichert werden. Seit Mitte 2016 werden die Kleinsthäuser aus dem 18. Jahrhundert, die ehemals von Tagelöhnern und Handwerkern bewohnt wurden, nach aufwendiger Restaurierung durch die Stadt nun als originelle Ferienhäuser vermietet. Bei der Vollsanierung der denkmalgeschützten Gebäude wurde detailgetreu und nach alten Handwerkstraditionen gearbeitet und der kleine Wohnraum mit durchdachten Lösungen optimal genutzt: Die drei zwischen 27 und 32m² großen Wohnungen verfügen jeweils über einen offenen Wohnbereich mit eingefügter Küche und eine ausgebaute Schlafgalerie im Dach und bieten Platz für zwei bis vier Personen. Als zusätzlichen „Sommerwohnraum“ und grüne Oase gibt es einen Garten mit Freisitz und Liegewiese, der von allen Häusern zum Sonnen oder Grillen genutzt werden kann. Der historische Stadtkern von Kyritz und die Innenstadt sind nur wenige Schritte von den Unterkünften entfernt, aber auch die 22 Kilometer lange Kyritzer Seenkette mit ihrer unberührten Natur kann man von hier aus in kurzer Zeit mit dem Fahrrad erreichen – ein Freizeitparadies für Angler, Radler, Wanderer und Wassersportler. Durch die Nähe zum Bahnhof sind die Kyritzer Ferienwohnungen auch ohne Auto gut erreichbar.

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Herr Heine, Sie haben die Häuser von der Stadt gepachtet und vermieten sie nun als originelle Ferienwohnungen. Wie kam es dazu, was hat Sie daran begeistert?

Ich betreibe bereits seit 13 Jahren ein Landhotel in Kyritz und bin immer daran interessiert, mich unternehmerisch weiterzuentwickeln und mein Angebot zu erweitern, um Menschen auch für einen längeren Aufenthalt in der Region zu begeistern. Nachdem die Stadt die Häuser in der Weberstraße aufgekauft hatte, habe ich mir die Gebäude angeschaut und war sofort fasziniert. In einem Urlaub in Quedlinburg hatte ich einige Zeit zuvor im ältesten Haus der Stadt gewohnt und mich mit den Gastgebern über ihre Sanierungsgeschichte unterhalten. Das war sehr spannend zu hören und so ging es mir auch mit den Kyritzer Budenhäusern. Ich kannte die Häuser ja schon in ihrem früheren Zustand. Die Weberstraße war seinerzeit eine “verruchte Gasse” – verfallen, ungepflegt und mit schlechter Beleuchtung. Aus einigen Häusern wuchsen bereits Bäume. Damals konnte man sich natürlich kaum vorstellen, was einmal daraus werden könnte. Nach der Sanierung gab es eine Ausschreibung durch die Stadt und ich habe mit meinem Konzept, den “Historientourismus” in Kyritz zu fördern, den Zuschlag erhalten. Ich möchte der Geschichte und den besonderen Raumverhältnissen der Kyritzer Kleinsthäuser Rechnung tragen und auch Touristen für diese Idee gewinnen.

Was ist Ihnen über die Geschichte der Häuser bekannt?

Ab 1740 hat die Tochter des damaligen Bürgermeisters von Kyritz die Häuser bauen lassen. Insgesamt waren es acht -  sechs von ihnen sind noch erhalten, drei bereits saniert. Die Häuser wurden von Tagelöhnern und Handwerkern bewohnt, seinerzeit ebenerdig in nur einem Geschoss. Auf einer Fläche von ca. 30m² waren nachweislich bis zu zehn Personen untergebracht. Später gab es den Aufzeichnungen im Grundbuch nach wechselnde Eigentümer. Bis Mitte der 1980er waren die Häuser noch bewohnt und sind dann durch Leerstand leider zunehmend verfallen. Wegen der Einsturzgefahr gab es immer wieder Überlegungen, die Gebäude abzureißen. Tatsächlich sind ja auch zwei der Häuser deswegen verschwunden. Ab Frühjahr 2018 werden die letzten drei bestehenden Häuser saniert sein und ebenfalls vermietet.

Welche Herausforderungen gab es bei der Sanierung ?

Um den Verfall zu stoppen und weiteren Schaden zu vermeiden, musste zunächst eine Bausicherung durchgeführt werden. Es gab dann lange Diskussionen bzgl. der zukünftigen Nutzung, gerade weil ein solches Ensemble von bestehenden Kleinsthäusern äußerst selten ist. Als es an die Bauarbeiten ging, wurde bewusst ein Architekturbüro gewählt, das Erfahrungen im Bereich der denkmalgerechten Sanierung hat. Die Architekten von Kannenberg & Kannenberg haben versucht, alles möglichst original zu erhalten und mit alten Handwerkstechniken zu arbeiten. Besonders eindrücklich sind so z.B. die wiederhergestellten Fassaden der drei Ferienhäuser geworden, die jedes für sich individuell gestaltet sind – eines im Fachwerkstil, eines mit – zum Teil originalen – Ziegeln und eines im preußischen Villenstil. In letztgenanntem Haus ist ein Teil der alten Kyritzer Stadtmauer als Innenwand sichtbar. Sie ist während der Sanierung sandgestrahlt und neu verfugt worden. Innenhofseitig haben die Architekten indirekte Lichtschächte geschaffen, um mehr Licht in die Wohnungen zu lassen und in zwei Wohnungen einen Erker bzw. Balkon angebaut. Alle Arbeiten sind unter Beachtung des Denkmalschutzes ausgeführt worden. Eine Herausforderung, aber es hat sich gelohnt.

Welches Konzept liegt der Gestaltung der Häuser zu Grunde und was ist das Besondere am Urlaub in den Häusern?

Jedes Haus ist außen wie innen sehr individuell und wurde der kleinen Raumgröße entsprechend gestaltet. Es gibt für jede Ferienwohnung ein Farbkonzept, das in Möbeln und Wänden aufgegriffen wurde. Um den wenigen Platz optimal zu nutzen wurden z.B. Einbauschränke eingepasst und das Dach geöffnet, um eine gewisse Luftigkeit zu erzeugen und Raum für die Schlafplätze zu schaffen, die über Raumspartreppen erreichbar sind. Die Wände sind lehmverputzt, um ein gutes Raumklima zu erzeugen und der Boden wurde in Anlehnung an den alten Terrazzoboden mit Gussasphalt ausgekleidet, der extrem haltbar und widerstandsfähig ist. Es gibt außerdem eine Fussboden- und Wandheizung, die über ein Umluftprinzip funktioniert und daher sehr energieeffizient ist. Aber vor allem: Man lebt in den Budenhäusern in real existierender Geschichte. Ich möchte meinen Enthusiasmus dafür gern weitergeben und Menschen ansprechen, denen es eben so geht.

Ihr Tipp für den Brandenburg-Urlaub?

Es gibt hier wunderschöne Radwege, die über ein Knotenpunktsystem verbunden sind. Wir verleihen an unsere Gäste auch Fahrräder, die sie an verschiedenen Stationen wieder abgeben können, z.B. wenn sie auf ein anderes Fortbewegungsmittel umsteigen wollen. Einen Ausflug wert ist z.B. der schöne Untersee mit Insel. Die Gaststätte auf der sogg. „Insl“ ist seit einigen Jahren neu bewirtschaftet und wird gerne auch als Hochzeitslocation gebucht. Das Besondere ist, dass man die Insel mit einer Fähre ansteuern muss, die ganz nach alter Tradition nur fährt, wenn man nach dem Fährmann läutet. Der Untersee liegt in einem Naturschutzgebiet und es gibt viele seltene Vogelarten. Motorboote sind untersagt, aber man kann die Gegend mit dem Ruderboot oder beim Stand Up Paddling erkunden. Für einen schönen Start in den Tag empfehle ich das Frühstück in unserem Landhotel, das Gäste der Ferienhäuser mitbuchen können. Abends kann man in eines der Restaurants am nahegelegenen Markt am Kyritzer Marktplatz einkehren.

Interview: Katrin Gewecke
Fotos: Andreas Heine

Kontakt:
Kyritzer Kleinsthäuser an der Stadtmauer
Kyritzer Landhotel Heine
Andreas Heine
Pritzwalker Strasse 40
16866 Kyritz

Weitere Informationen unter: http://www.landhotelheine.de/ferienwohnungen-kyritz-altstadt/

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