Ferienscheune in Barnim

von Liebling Brandenburg , 6. März 2014 , Barnimer Land

Mit viel Liebe und Sachverstand für historische Bauwerke hat der Berliner Architekt Andreas Zerr 2004 mit der Sanierung einer alten Scheune im Barnimer Land begonnen und sie in einen Urlaubsort verwandelt, der die Charakteristik des alten Gebäudes mit modernen Elementen verbindet. „Neue Bauteile sollten so ergänzt werden, dass sie mit dem Altbestand ein harmonisches Ganzes ergeben“ so Andreas Zerr. Die 2009 fertig gestellte Ferienscheune Barnimer Feldmark eignet sich für einen (Kurz-)Urlaub mit Familie oder Freunden ebenso wie als Lokalität für Veranstaltungen, Seminare und private Feiern. Das Erdgeschoss des Hauses besteht aus einem großen, loftartigen Gemeinschaftsraum mit Küche und Essbereich, in dem gekocht oder der Abend vor dem offenen Kamin verbracht werden kann. Im Obergeschoss der Feldsteinscheune befinden sich fünf eigenständige Gästeapartments mit Bad und Kochgelegenheit, die einzeln oder zusammen angemietet werden können. Neben den 280 m² Wohnfläche stehen den Gästen eine Sauna sowie der Garten mit großer Terrasse am Dorfteich zur Verfügung. Die Ferienscheune liegt im kleinen Dorf Hirschfelde, direkt vor den Toren Berlins. In der idyllischen Umgebung der Scheune befinden sich etliche Badeseen, ein Gutshaus mit Park, Reitställe, ein Golfplatz, die historischen Altstädte von Strausberg und Altlandsberg und das riesige kulturelle Angebot in der nur 20 km entfernten Hauptstadt.

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Herr Zerr, Sie sind als Architekt an verschiedensten Sanierungen historischer Gebäude in Berlin beteiligt gewesen. Was hat Sie an der Ferienscheune gereizt und wie sind Sie auf das Objekt gestoßen?

Hirschfelde haben wir uns 1996 als Wochenenddomizil ausgesucht, um unseren aufwachsenden Kindern auch ein Stückchen vom Leben auf dem Land zu zeigen – wie Getreide wächst, wie man Holz und Feuer macht und angelt. Auch einen Garten haben wir dort. Zwei Jahre später hat uns der Bürgermeister gefragt, ob wir Interesse an dem Hof hätten. So kam eins zum anderen. Bei der Arbeit am eigenen Hof gibt es viele Unterschiede zu unserer eigentlichen Arbeit. Wir bauen normalerweise öffentlichen Hochbau, auch Oper und Theater. Die Arbeit am eigenen Haus ist weniger stressig, man baut ganz anders und ist nicht den Forderungen der Bauherren verpflichtet. Aber natürlich ist man ähnlich an ökonomische Vorgaben gebunden. Das ist auch ganz gut so – da bleibt alles schön einfach, sachlich und zweckmäßig. Der größte Unterschied sind aber unsere zufriedenen Gäste, die glücklich über den Raum für Gemeinsamkeiten und Entspannung sind und uns das auch mitteilen. Das freut jedes Architektenherz.

Wissen Sie etwas über die Geschichte des Gebäudes?

Der Hof war Bodenreformland und von dem Erben des ehemaligen Gutsherrn enteignet worden. Die meisten Feldsteinmauern im Dorf gehörten zum Gut. Die Geschichte von Eduard Arnhold und seinem Erben Carl Clewing kann man im Netz nachlesen. Die Gebäude sind häufig umgebaut und verändert worden. Man findet alte Keller, auf denen wieder andere Gebäude errichtet wurden. Die Scheune selbst diente eine Zeit lang als Stall für das Kleinvieh der Bauern und Knechte. Jeder hatte ein Fensterchen, seinen Eingang und eine Luke darüber, durch die man das Heu herunter werfen konnte. Auf der Hofseite befand sich das Scheunentor, durch das Heu und Stroh zum Trocknen auf den Dachboden gebracht wurde. Nach dem Krieg nutzten das die Bewohner, meist Flüchtlingsfamilien aus Schlesien.

Was war Ihnen bei der Sanierung wichtig und was waren besondere Herausforderungen?

Wir wollten das Haus von außen möglichst unberührt belassen, mit allen Öffnungen und den alten Stalltüren. Von innen sollte es ein modernes, zweckmäßiges Gebäude werden. Der Dachstuhl wurde komplett abgerissen und neu errichtet. Abgesehen davon will so ein altes Gebäude richtig studiert werden, bevor man es umbaut. Da wird jeder Stein betrachtet. Ich versuche in der Regel jede kleine Irritation im alten Mauerwerk zu erhalten und zu zeigen. So entsteht das Ambiente. Das Vorhandene habe ich mit schönen Materialien kombiniert. Zum Teil konnte ich auch Steine aus anderen Gebäuden wieder verwenden. Der Travertin-Fußboden im großen Saal ist eine ehemalige Fassade vom Berliner Tauenzien, der Einkaufsmeile direkt neben dem KaDeWe – daher die großen Formate mit den Löchern für die Rüstanker. Daran hängt Geschichte. Auch die Sollhofener Platten in den Bädern oder die Klinker auf den Terrassen und Wegen wurden recycelt. Diese kommen aus einer alten Mühle im Brandenburger Umland.

Was macht den besonderen Reiz der Ferienscheune aus?

Die Art wie man hier seinen Urlaub, gemeinsame Wochenenden oder seine private Feier verbringen kann. Ich denke, man reist heute anders als früher. Der Ort, an dem man ein solches Ereignis gemeinsam erlebt, steht viel mehr im Mittelpunkt. Eine konfektionierte Reise, zum Beispiel mit Übernachtung im lokalen Gasthof, wird heute oft als enttäuschend empfunden, weil man sich vieles ganz anders vorgestellt hat. Bei der Ferienscheune ist das anders. Hier steht einerseits das gemeinsame Erleben im großen Saal im Vordergrund und andererseits die Rückzugsmöglichkeit in das private Appartement im Obergeschoss. Jeder sieht den Ort anders und stellt sich sein eigenes Erlebnis dazu vor. Dabei unterscheidet sich das Erlebte grundlegend. Wir hatten in der Scheune schon Seminare, Yogakurse, Kochkurse, gemeinsames Zeichnen in der Natur, Vorlesekreise, Geburtstage, Weihnachtsfeiern, Workshops, Filmteams, Buchpräsentationen, sogar Plattenaufnahmen eines Schallplattenlabels und natürlich auch sehr viele Hochzeiten. Die Leute sitzen gemeinsam am Feuer, versammeln sich um den großen Tresen im Saal und unterhalten sich. Ich bekomme viel Zuspruch, wie gut man dort gemeinsam ins Gespräch kommt. Wenn meine Architektur dazu beiträgt, bin ich sehr zufrieden.

Zieht es Sie selbst auch nach Brandenburg?

Ja, wir sind sehr oft am Wochenende dort und im eigenen Garten und genießen die Ruhe und Entspannung.

Ihr Tipp für den Brandenburg-Urlaub?

Das Stück Barnimer Feldmark in der direkten Umgebung ist großartig. Wir haben viele Urlaube dort verlebt. Ein Spaziergang durch den Gamengrund, um den Ihlandsee bei Wilkendorf oder einfach über den ehemaligen Flugplatz, an der Apfelbaumplantage vorbei oder durch die blühenden Kirschbäume und abends auf der Terrasse am Dorfteich grillen. Es gibt in der Umgebung auch viele Highlights wie das Schiffshebewerk, das Kloster Chorin, Altstädte zum Flanieren in Altlandsberg, Bernau und Strausberg und vielerlei Angebote für Aktivitäten.

Fotos: Andreas Zerr, Katrin Gewecke
Interview: Katrin Gewecke

Kontakt:
Ferienscheune Barnimer Feldmark
Andreas Zerr
Eduard-Arnold-Str. 9a
16356 Hirschfelde

Mehr Informationen unter: http://www.ferienscheune-barnimer-feldmark.de/

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